Auf LinkedIn muss man derzeit immer wieder von wilden Case Studies zu TikTok-Erfolgen lesen.

Der Schlagsatz: „Massive Reichweite in kürzester Zeit… und das organisch!“

Richtig, hier müssen bei jedem erfahrenen Marketer die Alarmglocken läuten. Und dennoch lassen sich vor allem jene Unternehmen durch solche Aussagen begeistern, die aufgrund der Coronakrise und massiven Umsatzeinbrüchen nach jedem „kostenfreien“ Marketing-Hebel suchen.

Die entscheidende Frage, die in diesen Case Studies zu kurz kommt oder erst gar nicht aufgegriffen wird: Wie relevant ist diese Reichweite für mein Unternehmen?

Diese Relevanz wird maßgeblich von der Zielgruppe definiert. Was nützen mir 50.000 Views, wenn davon nur 10% zu meiner Zielgruppe gehören. Je höher der relevante Zielgruppen-Anteil an der Reichweite, je relevanter ist diese Reichweite für dein Unternehmen.

Man kann hier ähnlich wie im Finanzwesen sogenannte ‚Ratings‚ vergeben. Jede bespielte Social Media Plattform sollte mindestens 1 x pro Quartal von einem Unternehmen auf die Relevanz der erzielten Reichweite hin überprüft werden. Wichtige KPIs, die in das Rating einfließen sollten, sind neben der Engagement-Rate vor allem die Conversion-Rate.

TikTok täuscht an dieser Stelle. Unternehmen, ob B2C oder B2B, versuchen sich mit kreativen Inhalten zu überbieten, die oft überhaupt nicht mehr den unternehmens-bezogenen Inhalten und der Content-Strategie entsprechen.

Ein Beispiel: Eine Anwaltskanzlei postet Tanz-Videos der Mitarbeiter.

Das Ergebnis: Egal wie amüsant diese Posts auch sind, sie haben 0 Bezug zu den angebotenen Dienstleistungen. Daraus resultierend können die User auch nicht mehr filtern, ob sie in die Kundenzielgruppe der Kanzlei passen. Die Posts werden rein nach dem Unterhaltungswert bewertet.

Der Trugschluss: Die Posts erzielen womöglich eine hohe Reichweite und 1A-Interaktionswerte. Motiviert von dem „Erfolg“ werden mehr Zeit und Ressourcen in TikTok investiert. „Reichweite um jeden Preis“, bekommt hier ein vollkommen neue Bedeutung.

Meine These: Wir werden in den kommenden 6 Monaten viele Unternehmen von TikTok abwandern sehen, die realisieren, dass sie sinnbefreit eine Plattform bespielen, die neben Reichweite kein relevantes Umsatzpotential stiftet.

Klar, es gibt sie: Unternehmen, die TikTok erfolgreich als Kundenkontaktpunkt einsetzen. Ich dufte bereits viele Unternehmen in diesem Prozess begleiten.

Hier sind 3 Impulse, die ich dir für einen Start auf TikTok mit auf den Weg geben möchte:

  • Befrage deine bestehende Community an Fans, Followern, Newsletter-Abonnenten, etc. zu ihrer Aktivität auf TikTok (Fokus auf DAUs = daily active users)
  • Analysiere, welche Unternehmen aus deiner Branche TikTok bereits erfolgreich nutzen (welche Inhalte führen zu welchen Resultaten -> conversion-orientiert analysieren)
  • Implementiere von Beginn an klare CTAs in deine Inhalte, deren Performance und ROI du analysieren kannst (Engagement, Traffic, Conversions via bspw. Rabatt-Codes)

Jede Minute, die du vorab in die Relevanz-Analyse einer Social Media Plattform investierst, wird sich später monate- wenn nicht jahrelang positiv auf deinen ROI auf dieser Plattform auswirken.

Vergiss das nie!